Das Kaninchen - Wegweiser ins Unbekannte

Das Kaninchen 





Das Kaninchen nimmt in der Mythologie, Kunst- und Kulturgeschichte, als auch in der Populärkultur eine motivische Rolle ein. 


In der Symbolik des Kaninchens ist es unwichtig ob es sich dabei um einen Hasen oder um ein Kaninchen handelt.

Nicht jedoch in der Etymologie. Der Name "Kaninchen" leitet sich aus dem Lateinischen cuniculus ab und bedeutet "unterirdischer Gang".

Variationen im Deutschen sind "Karnickel" oder "Kinigl".

Der Name "Spanien" leitet sich ebenfalls von dem kleinen Erdröhrenbewohner ab (phönizisch: schaban -->Hispania).


Das Kaninchen (deckungsgleich mit der Deutung des Hasen) ist in der bildenden Kunst ein häufiges Motiv. Einerseits ist es ein beliebtes Jagdmotiv, andererseits auf Grund seiner Vermehrungsfreudigkeit, ein Sinnbild der Fruchtbarkeit, Wollust und Unzucht.

Auch die Darstellung von Lebenskraft, Wiedergeburt und Auferstehung ist in der christlich geprägten Kultur vor allem beim Osterfest, der Feier der Auferstehung Christus von Bedeutung.


In der modernen Kunst werden diese Motive zum Teil aufgegriffen und als Kritik an unserer Konsumkultur verarbeitet (siehe Jeff Koons "Rabbit" 1986). Die Hasen-Skulpturen von Jeff Koons wurden sehr schnell zu Ikonen der Gegenwartskunst. Für Aufsehen sorgte ein Projekt ("GFP Bunny", 2000) von Eduardo Kac das der Bioart zugerechnet wird. Es handelt sich dabei um ein Leuchtkaninchen namens "Alba" dass durch genetisches Material von Quallen modifiziert worden ist.   

Piero di Cosimo - Venus, Mars und Cupido (1505)

Edouard Manet - The Rabbit (1866)

Lindt & Sprüngli - Goldhase (1952)

Jeff Koons - "Rabbit" 1986

Eduardo Kac - "GFP Bunny" (2000)

Maria Lassnig - Selbstportrait mit Hase (2003)

Cui Bai - Hase und zwei Elstern, China (1061)




Mein künstlerisches Interesse am Kaninchen hat Joseph Beuys bereits während meines Studiums geweckt. Mit seiner Aktion “Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ (1965). Dabei zeigt Beuys anlässlich seiner Ausstellung, in einer Galerie, einem toten Hasen seine Arbeiten.

Joseph Beuys - "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt" (1965) ©Walter Vogel

Beuys sagt: „Für mich ist der Hase das Symbol für die Inkarnation, denn der Hase macht das ganz real, was der Mensch nur in Gedanken kann. Er gräbt sich ein, er gräbt sich einen Bau. Er inkarniert sich in die Erde, und das allein ist wichtig. So kommt er bei mir vor. Mit Honig auf dem Kopf tue ich natürlich etwas, was mit denken zu tun hat. Die menschliche Fähigkeit ist, nicht Honig abzugeben, sondern zu denken, Ideen abzugeben. Dadurch wird der Todescharakter des Gedankens wieder lebendig gemacht. Denn Honig ist zweifellos eine lebendige Substanz. Der menschliche Gedanke kann auch lebendig sein. Er kann aber auch intellektualisierend tödlich sein, auch tot bleiben, sich todbringend äußern etwa im politischen Bereich oder der Pädagogik.



Die Aktion kann als symbolische Umsetzung der Wiedergeburt aufgefasst werden. Diese Interpretation wird auch unterstützt durch die „Maske“, die Beuys während seiner Performance trägt: Gold als altes Symbol für Reinheit, Weisheit und die Kraft der Sonne. Honig als germanisches oder indisches Mittel für Regeneration und Wiederbelebung.

Joseph Beuys - "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt" (1965)

Das Kaninchen in der Populärkultur




In der Populärkultur wechselt das Motiv des Kaninchens. In “Alice im Wunderland” (Lewis Carroll, 1865) weckt ein weisses Kaninchen die Neugierde der Protagonistin so stark, dass sie ihm durch einen Hasenbau in eine andere Welt folgt.


Im Film “Donnie Darko” erscheint einem psychisch labilen Teenager namens “Donnie” die Figur „Frank“ in einem Hasenkostüm. Das geschieht in aussersinnlichen Halluzinationen und führt ihn zu verschiedensten Handlungen.


Etwas liebenswerter sind die Darstellungen von bekannten anthropomorphen Cartoon-Kaninchen wie “Roger Rabbit”, “Bugs Bunny”, “Klopfer” (Film “Bambi”), oder den Kinderbuch-Illustrationen von Beatrix Potter.

Hier sind die Eigenschaften der Hasenartigen vor allem Schnelligkeit, Schlagfertigkeit und Schläue. 


Im Film “Die Ritter der Kokosnuss” von Monty Python bewacht ein weisses “Killerkaninchen” eine Höhle, in der eine Inschrift eingraviert sein soll, die den Weg zum Heiligen Gral weist. Das Kaninchen macht seinem Namen jedoch alle Ehre und tötet einige der Ritter.

Film: Walt Disney - "Alice im Wunderland" (1951)

Film: Donnie Darko 2001

Film: Walt Disney - Bambi 1942

Film: "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" (1988)

Die Hasen von Beatrix Potter (aus dem Film: "Miss Potter" 2006)

Die Trickfigur "Bugs Bunny" von Warner (1960)

Das "Killer Kaninchen aus dem Film: "Monty Python and the Holy Grail" (1975)

Der Begriff des "Rabbit Hole"



Ein "Rabbit Hole" ist eine Metapher, basierend auf der Geschichte von "Alice im Wunderland". Es steht für einen Eingang in etwas Unbekanntes. Das kann geistige Verwirrung, Orientierungslosigkeit, eine psychedelische Erfahrung oder ein Begriff der Computerwelt sein. Letzteres beschreibt das abdriften bei der Suche im Internet oder der Lösung eines Problems (z.B.: während des Programmierens), ohne je ans Ziel zu gelangen. 


Das Motiv des Kaninchens agiert als Wegweiser zwischen den Welten, sei es in einem fantastischen Roman, der Verführung der Jungfrau Maria, Symbol unseres Konsumverhaltens oder Sinnbild für die genetische Modifikation von Lebewesen.


Als Fotograf nähere ich mich über den Körper des Tieres. Die Form bildet dabei das Motiv. Vor neutralem Hintergrund entsteht somit ein klares minimalistisches Bild.